Bereich Frauen

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Langzeitbegleitung von (ehemaligen) allein erziehenden mehrfachkranken Müttern, die von Gewalt und Armut betroffen sind

Frauenarmut: Folge von Familienpflichten, Ausbeutung und Gewalterfahrung

Viele armutsbetroffene Frauen leben noch immer in entwürdigenden Lebenssituationen. Hausfrauen und/oder allein erziehende Frauen und ihre Kinder geraten oft in Armut. Von Gleichstellung, sozialer und ökonomischer Emanzipation profitiert nur ein Teil der Frauen, die in privilegierten sozio-ökonomischen Verhältnissen leben. Erst seit April 2004 ist Vergewaltigung in der Ehe und Gewalt in der Familie ein Offizialdelikt, was bedeutet, dass dies gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert wird. Doch ist es für die sexuell ausgebeutete Ehefrau sehr schwierig, dieses Delikt zu beweisen. Noch immer erleiden Frauen brachiale und sexuelle Gewalt und sind bedroht. Viele waren den Gewalterfahrungen schutzlos über Jahre oder Jahrzehnte ausgeliefert. Um nicht als Versagerin dazu stehen und um die Familie zusammen zuhalten, erduldeten und erdulden diese Frauen bis heute schwere Misshandlungen und Entwürdigungen. Diese Traumen wurden nie behandelt, weil sie als solche nie ernst genommen und erkannt wurden sowie die materiellen wie auch psycho-sozialen Voraussetzungen für eine Therapie fehlen.

Nicht selten beanspruchen erwerbstätige Familienväter den grössten Teil ihres Einkommens für sich selber, sodass kaum Haushaltsgeld vorhanden ist. Können sich Frauen nicht wehren und gegen den Willen ihres Mannes keine gerichtliche Trennung und Scheidung durchsetzen, so haben sie keinen Anspruch auf eigene Sozialleistungen für sich und die Kinder.

Wer sind diese Familienfrauen?

Diese Mütter sind Schweizerinnen oder Migrantinnen. Sie arbeiten, um die Familie durchzubringen, weit über ihre Kräfte und betreiben gesundheitlichen Raubbau. Um diese Leistung zu erbringen, sind viele gezwungen dauernd Medikamente einzunehmen, was wiederum schwere gesundheitliche Schäden ergibt. So sind sie bereits früh von schweren Traumen und/oder schweren körperlichen Krankheiten gezeichnet. Viele verfügen über sehr geringe Bildung, sodass sie weder eine anständig bezahlte Stelle finden, noch sich getrauen Hilfe zu organisieren, weil sie beispielsweise kaum selber Briefe schreiben können. Ihr Leben bestand aus Arbeit, Verpflichtungen, persönlichem Verzichten und Erdulden, Schmerz und Erniedrigung, sodass kaum Raum für die Entwicklung von Selbstbewusstsein bestand und besteht.

Überlebenskampf der armutsbetroffenen mehrfach kranken Familienfrauen

All diesen Frauen gelingt es oft über Jahre nicht, ihre Rechte wahrzunehmen und für ihre Gesundheit zu sorgen: Sie leiden unter psychischen Störungen, wie Angstattacken, Depressionen, posttraumatischem Stress-Syndrom, gynäkologischen Problemen, rheumatischen Erkrankungen, Arthrosen, Magen-Darmkrankheiten, bei einigen kommen Herz- und Kreislauferkrankungen und weitere Krankheiten dazu. Sie sind von Schuldgefühlen geplagt und die ständige Überarbeitung durch die Doppelbelastung verhindert, dass sie überhaupt die Voraussetzungen dafür haben, gesund zu sein und bleiben: Schmerz, Angst, Ausbeutung, Hunger, Armut, Gewalterfahrung und Ohnmacht beinhaltet ihr Leben. Der Teufelskreis fordert seinen Preis: Diese Frauen kämpfen in Armut um’s Überleben in der reichen Schweiz: Not und Schmerz bestimmt ihr Leben.

Einige schaffen es, die Scheidung durchzusetzen, andere nicht. Gelingt die Scheidung, so können sie kaum ihre Ansprüche geltend machen, willigen zu miserablen Bedingungen ein, nur damit sie ihren Missetäter los werden. Ist nicht genug Geld für zwei Haushalte vorhanden, so sind sie nach der Scheidung mittellos, weil die Alimente nicht reichen, nicht eintreffen und/oder nur Kinderalimente bevorschusst werden. Sie fühlen sich als Versagerinnen vor ihren Kindern, die Forderungen stellen und sich mit anderen Gleichaltrigen vergleichen. Andere versuchen der Mutter zu helfen und geraten dadurch selbst in grosse psychische Not: Armut, Ausgrenzung und Überforderung schafft immer neue Probleme über Generationen.

Ziele der Langzeitbegleitung

Das Ziel der Langzeitbegleitung ist die konkrete Umsetzung der sozialen Menschenrechte, die Stabilisierung und Verbesserung der gesamten gesundheitlichen, psychischen und sozialen Lebenssituation der Frauen und ihrer Kinder sowie Verhinderung von Tradierung der Armut, fehlender Bildung, sozialer Ausgrenzung und Randständigkeit. Langfristig soll das Selbstvertrauen der Frauen aufgebaut und die Sozialkompetenz der Frauen in allen Bereichen erhöht werden.

Zielumsetzung: Verwirklichung der Ziele durch Langzeitbegleitung

Im Gegensatz zu anderen Institutionen ist die persönliche Bezugsperson der IG Sozialhilfe für sämtliche Bereiche zuständig. Es gilt, in kleinen selbst bestimmten Schritten, die gesamte Lebenssituation zu verbessern. Dies braucht viel Zeit, denn die Verunsicherung und Angst der Frauen ist gross. So wird die Bezugsperson zur persönlichen, verlässlichen Vertrauensperson über lange Zeit.

Finanzielle Grundversorgung gewähren

In Zusammenarbeit mit der betroffenen Frau wird die finanzielle Situation besprochen, um zu regeln, bzw. die nötigen Sozialleistungen zu beantragen. Bis die Frau sich ihre Arbeitsunfähigkeit wegen chronifizierten Krankheiten eingestehen kann, und bis sie einsieht, dass für die langfristige finanzielle Sicherung die IV-Rente angemeldet werden muss, braucht es oft viel Zeit. In speziell prekären Situationen leistet die IG Sozialhilfe zur Überbrückung finanzielle Hilfe und stellt Gesuche an Hilfswerke, bis die staatlichen Leistungen eintreffen, damit Hunger, Verlust der Wohnung und Betreibung vermieden werden kann. Administratives, wie Korrespondenz mit Ämtern und Sozialversicherungen, übernimmt in Zusammenarbeit mit der Betroffenen die Bezugsperson. Oft muss die ganze Korrespondenz mittels Vollmacht mit diesen Stellen über Jahre erledigt, weil die Frau funktionelle Anaphabetin ist.

Ermutigung zur medizinischen und psychiatrischen Behandlung

Immer wieder ist es nötig Krisenintervention zu leisten. In einzelnen Fällen kann es nötig sein, die Frau in psychiatrische oder medizinische Kliniken einzuweisen. Die Betreuung für die Kinder wird organisiert und der Kontakt zu allen Beteiligten regelmässig gepflegt. Besuche bei Spital- und Klinikaufenthalt sind wichtig, um die Frau zu ermutigen, ihre Fragen dem Arzt zu stellen und eine realistische Darstellung ihres Zustandes zu erhalten und nicht zu beschönigen. Eine Hausärztin, wenn nötig auch Spitex und Physiotherapie, werden organisiert. Die Frau wird ermutigt, sich in einer Langzeit-Psychotherapie behandeln zu lassen; Therapeutinnen werden vermittelt und die Therapiekostenübernahme geregelt. Immer wieder ist viel Zuspruch und Unterstützung nötig, damit entsprechende medizinische Hilfe in Anspruch genommen und lang andauernde Behandlungen durchgeführt werden. Es gehört zu den ständigen wichtigsten Aufgaben der Bezugsperson, die Frau so weit zu stärken, dass jahrelang versäumte medizinisch-psychiatrische Behandlungen endlich durchgeführt werden können.

Unterstützung der Jugendlichen in der Familie und zur beruflichen Integration

Für Jugendliche ist die familiäre Situation oft sehr schwierig. Sie verstehen ihre Mütter, insbesondere ihre psychische Krankheiten nicht. Sie wollen mehr Materielles als ihnen die Mütter ermöglichen können und machen den Müttern Vorwürfe, weil sie nicht arbeiten. Umgekehrt verstehen die Mütter den Freiheitsdrang ihrer jugendlichen Kinder nicht, weil sie selbst nie Freiräume beanspruchen konnten. Die Bezugsperson klärt auf, wirkt vermittelnd und entschärft Konflikte. Allen Müttern ist die Berufsausbildung sehr wichtig. So hilft die Bezugsperson sowohl der Mutter wie auch der Tochter/dem Sohn bei der Lehrstellensuche, berät und zeigt Möglichkeiten auf.

Finanzieller Bedarf pro Jahr                                                                               ca. 80 000.- SFr.