Antirassismus: Zusammenstehen statt gegen unten treten

bild7Gegenwärtig migrieren viele Menschen nach Europa, um sich hier ein besseres Leben aufzubauen. Diese Tatsache wird von fremdenfeindlichen Kräften genutzt, um uns Lohndruck und Sozialabbau anzudrohen. Um dagegen anzukämpfen, müssen wir uns der rassistischen Stimmungsmache entgegenstellen und zusammen für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen für alle einstehen.

An vielen Orten der Welt herrschen unerträgliche Lebensbedingungen, weshalb sich unzählige Menschen entscheiden, in ein anderes Land zu migrieren. Die Gründe für diese Entscheidung sind vielseitig: Viele Menschen fliehen vor Bürgerkriegen und militärischen Interventionen, aber auch wegen Hunger und Armut, Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Diskriminierung und politischer Verfolgung. All diese Fluchtgründe entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern haben ihre Ursache darin, dass sich internationale und auch Schweizer Konzerne ihre Profite sichern. Durch Waffenlieferungen, Rohstoffausbeutung und die Erzwingung von Privatisierungen durch den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Weltbank und die Europäische Zentralbank (EZB) verdienen sich KapitalistInnen weltweit eine goldene Nase. Banken richten mit Wohnungs- und Grundstücksspekulationen ganze Regionen zugrunde – ganz abgesehen von Hungerkrisen durch Nahrungsmittelspekulation.

Die europäische Grenzpolitik tötet

Weltweit sind zurzeit 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Die meisten suchen innerhalb ihres Herkunftslandes Zuflucht, andere weichen in Nachbarländer aus. Im Libanon beispielsweise, einem Land mit knapp 6 Millionen EinwohnerInnen, suchen zurzeit mehr als eine Million Geflüchtete aus Syrien Schutz. Nur ein kleiner Teil der Menschen, die weltweit migrieren, ist auf dem Weg nach Europa. Es gibt jedoch keine legalen Einreisemöglichkeiten, die europäischen Länder versuchen mit allen Mitteln, ihren Wohlstand zu sichern und die Migration einzudämmen. So werden die MigrantInnen auf immer gefährlichere Routen gedrängt. Tausende von Menschen haben wegen dieser Politik in den letzten Jahren ihr Leben an der europäischen Aussengrenze verloren.

Systematische rassistische Stimmungsmache

Das Kapital macht sich die günstige Arbeitskraft der MigrantInnen zunutze, was die Löhne hierzulande unter Druck bringt. Schnell machen wir uns gegenseitig verantwortlich für Kürzungen, Lohnsenkungen und Armut. Doch wenn ArbeiterInnen, Angestellte, Arbeitslose und Armutsbetroffene unabhängig von ihrem Pass zusammenstehen und gemeinsam gegen Lohnsenkungen, hohe Mieten und Verschärfungen im Sozialbereich kämpfen, haben wir eine Chance gegen diejenigen, die von der Armut profitieren. Damit genau das nicht geschieht, wird gegen Geflüchtete systematisch Stimmung gemacht: Rechte Parteien stecken grosse Summen in Hetzkampagnen gegen alle Menschen, die als „Nicht-SchweizerInnen“ kategorisiert werden. Damit schüren sie einen aggressiven Rassismus, der auch zu gewalttätigen Übergriffen führt.

Wem nützen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit?

Rassismus ist der haltlose, aber leider ziemlich erfolgreiche Versuch, gesellschaftliche Unterschiede und Ungleichheiten biologisch oder kulturell zu erklären. Auf diese Weise werden bestimmte Bevölkerungsgruppen durch andere ausgebeutet und diskriminiert. Weiter dient Rassismus dazu, Menschen gegeneinander auszuspielen. Reiche, die ihre Macht und ihren Reichtum erhalten und vermehren wollen, machen ArbeiterInnen, Arbeitslose und Armutsbetroffene glauben, dass ihr Problem nicht die kapitalistische Ausbeutung sei, sondern dass Menschen mit anderer Hautfarbe, Religion oder Staatszugehörigkeit Schuld an allem seien. MigrantInnen werden in den Niedriglohnsektor gedrängt, was den Druck auf die Löhne erhöht. Indem sich Leute als Teil einer nationalen Gemeinschaft identifizieren und sich damit über „AusländerInnen“ als vermeintlich minderwertige Menschen stellen, versuchen sie, ihre soziale Stellung abzusichern. Die Ideologie des Nationalismus dient dazu, aus unseren ArbeitskollegInnen, NachbarInnen und FreundInnen „Fremde“ zu machen.

Zusammenstehen für gute Lebensbedingungen!

Wir tun gut daran, der nationalistischen und fremdenfeindlichen Deutungen nicht auf den Leim zu kriechen, sondern unabhängig von Aufenthaltsstatus, Pass, Hautfarbe, Geschlecht, Religion oder sexueller Orientierung gegen die Angriffe auf unsere Lebensbedingungen zusammenzustehen. Gerade angesichts der europäischen Grenzpolitik ist es wichtig, dass wir uns mit den Menschen solidarisieren, die ihre Häuser, ihre Städte, ihr Zuhause verlassen, um den Krisenherden des Kapitalismus und den Gräueln der Kriege zu entkommen und anderswo ein besseres Leben aufzubauen. Mit diesen Menschen Mitleid zu haben, ist eine gute, menschliche Reaktion auf das Leid, das sie durchleben. Aber wir müssen noch einen Schritt weiter gehen: Es ist wichtig, dass wir sie in ihrem Ringen um eine bessere Lebensperspektive unterstützen, indem wir mit ihnen zusammen für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen einstehen. Wehren wir uns gemeinsam gegen die rassistische Migrationspolitik, gegen Privatisierungen, Mietwucher, Lohndrückerei, Sparmassnahmen und Verschärfungen in der Sozialpolitik!

Fabio Weiler