Das neue Kafi Klick in Zürich: Platz für alle und viele Diskussionen

kafiklick_logo_eingang_2011_animiert_website2Das Kafi Klick gibt es schon seit 2009, als kostenloses Internetkaffee für Armutsbetroffene. Mit dem Anstieg der Zahl der BesucherInnen wurde es aber zu klein und dadurch zunehmend ungeeignet. Nun sind wir umgezogen. Im Treffpunkt gibt es auch die Möglichkeit, bei einem Kaffee über die gegenwärtige ökonomische und politische Misere nachzudenken und sich zu fragen, wie die lähmende Vereinzelung armutsbetroffener Menschen zu durchbrechen ist.

Das Kafi Klick ist der Treffpunkt der IG Sozialhilfe für Armutsbetroffene. Es ist ein Treffpunkt mit Internet. Das klingt zuerst einmal banal. Aber der Treffpunkt, den das Kafi Klick in Zürich verkörpert, geht über die blosse Nutzung einer Stunde kostenlosem Internetzugang und den Genuss einer warmen Suppe hinaus. So mag es kaum erstaunen, dass im Jahr 2015 durchschnittlich über eintausend Menschen im Monat diesen Ort besucht haben. Und diese Besuche erfolgten von Menschen mit den unterschiedlichsten Biographien und Anliegen: Manche mögen ungestört eine bestimmte Zeitung am Computer-Bildschirm lesen oder die Zusammenfassung der vergangenen Fussballspiele verfolgen. Natürlich sind Stellenbewerbungen und Wohnungssuche sehr häufige Ziele der Internetrecherchen im Kafi Klick. Anders als in anderen Institutionen sind bestimmte Recherchen aber nicht Bedingung für die Computernutzung. Das Menschenrecht auf Information ist im 21. Jahrhundert ohne den Zugang zu Internet kaum denkbar. In dieser Hinsicht hilft das Kafi Klick mit, armutsbetroffenen Menschen dieses Menschenrecht zu gewähren. Die BesucherInnen haben die Möglichkeit, während einer Stunde am Computer Bildung nach eigenen Interessen zu gestalten.

Aber nicht nur wegen der Internetnutzung gehen Menschen ins Kafi Klick: Andere BesucherInnen trinken etwa einen Kaffee und diskutieren über die Krankenkassenprämien. Oder sie sind auf der Suche nach kostenlosen Kleidern, um die kalte Jahreszeit wenigstens in dieser Hinsicht einigermassen unbesorgt zu überstehen. Auch stehen eine kostenlose Suppe und Getränke zur Verfügung. Bei Bedarf und Möglichkeit wird individuelle Hilfe in sozialen und administrativen Fragen angeboten. Natürlich finden neu die Veranstaltungen der IG Sozialhilfe in diesen Räumlichkeiten statt. Die Vielfalt der Nutzungen und die unterschiedlichen BesucherInnen an diesem Ort machen Mut in wenig erfreulichen Zeiten. Daher ist das Kafi Klick wichtig und für viele äusserst notwendig.

Der Vereinzelung entgegenwirken

Der BesucherInnen-Andrang und besonders der enorme Anstieg in den letzten Jahren zeigen praktisch, was beim Lesen der Zeitungen als leblose Zahlen und Fakten vermittelt wird: Die ökonomische und politische Krise verschärft sich deutlich und weltweit. Die Folgen davon sind Krieg, Flucht, Arbeitslosigkeit, Isolation, prekäre Arbeits-, Wohn- und Aufenthaltsbedingungen und Perspektivenlosigkeit. Das sind Zustände, die in den Menschen psychische und physische Folgen hinterlassen. Die Schweiz stellt hinsichtlich der Krise keinen Sonderfall dar. Besonders ist vielleicht der Schein, welcher dieses Land und insbesondere den Grossraum Zürich als reiche Metropole aussehen lässt. Menschen, die diesem Wohlstandsbild nicht entsprechen, suchen die Gründe dafür tendenziell bei sich selber. Sie werden ausserdem gesellschaftlich isoliert. Das Kafi Klick zeigt durch die vielen BesucherInnen auf, dass Armut ein Massenphänomen und keine individuelle Einzelerscheinung darstellt, selbst in der reichen Schweiz nicht. Hier kommen die unterschiedlichsten Menschen aus verschiedensten Gründen zusammen. Gemeinsamkeiten sind jedoch schnell erkennbar, sobald die Menschen miteinander ins Gespräch kommen. Das Kafi Klick schafft es dadurch, die Isolation und Vereinzelung punktuell aufzuheben: Etwa durch die Veranstaltung der IG Sozialhilfe zum Thema „Armut, Migration und prekäre Lohnarbeit“. Diese fand am 10. Dezember 2015 statt und wurde zweisprachig in Deutsch und Spanisch gehalten. Anlass ebendieser Veranstaltung war der Internationale Tag der Menschenrechte.

Von der Müller- an die Gutstrasse

Das solidarische Klima der Menschen untereinander ist ein wichtiger Aspekt im Kafi Klick: Dieser Betrieb ist auf der Seite der Armutsbetroffenen. In Zeiten des sozialen Kahlschlags und der zunehmend repressiven Tendenz der „sozialen Arbeit“ werden Betriebe wie das Kafi Klick zu einem interessanten Arbeitsfeld für Sozialarbeitende, die sich unter ihrem Beruf etwas anderes als Armutsverwaltung im Dienste der neoliberalen Sparpolitik vorgestellt haben. Wir achten nämlich Armutsbetroffene als Subjekte, ihre Würde und die Förderung und Möglichkeit der Selbstermächtigung stehen im Vordergrund des Betriebs. Darum steht das Kafi Klick allen Menschen offen und dies ungeachtet ihres Aufenthaltsstatus oder Wohnsitzes.

Wenn der Treffpunktcharakter des Kafi Klicks betont wird, dann spielt der Umzug im August 2015 eine gewichtige Rolle. Der neue Treffpunkt für Armutsbetroffene, der grosse Raum in Zürich-Wiedikon, ist ein voller Gewinn für alle Beteiligten. Er bietet die Möglichkeit, in einem gemütlicheren Rahmen als zuvor zu verweilen. Zudem ist der Raum vielfältig nutzbar und hell. Der Umzug in die neuen Räumlichkeiten ist also gelungen. Der ganz grosse Dank geht an die zahlreichen freiwilligen HelferInnen, ohne die das Kafi Klick in dieser Form nicht denkbar wäre. Wir freuen uns, in Zukunft BesucherInnen unterschiedlichen Alters, Herkunft und Geschlechts im Kafi Klick begrüssen zu dürfen.

Stephan Hochuli, Leiter Kafi Klick